Mediennutzung und Erholung

Ein zentraler Strang der Forschung am Arbeitsbereich Online-Kommunikation beschäftigt sich mit dem Phänomen der medieninduzierten Erholung von Stress und Belastung. Unser Alltagsleben gleicht einem ständigen Wechsel aus Phasen der Beanspruchung (z.B. bei der Arbeit) und Ruhephasen, die wir benötigen, um unsere durch Belastung verbrauchten Ressourcen wieder herzustellen und uns zu erholen. Eine aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive überaus interessante Frage ist dabei, inwiefern die Nutzung von Medien einen Beitrag zu diesem Erholungsprozess leisten kann und ob Mediennutzerinnen und -nutzer Medieninhalte gezielt auswählen, um sich von Stress und Belastung zu erholen.

Die am Arbeitsbereich Online-Kommunikation und in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen an anderen Standorten entstandene Forschung spricht deutlich für einen solchen Erholungseffekt, insbesondere von neuen interaktiven Medien. So werden z.B. Video- und Computerspiele sowohl in der Freizeit als auch am Arbeitsplatz (z.B. in der Form von Browser-Games) häufig mit dem Ziel der Erholung gespielt (Reinecke, 2009a, 2009b). Neben einem subjektiven Erholungsempfinden, entstehen dabei auch „handfeste“ Erholungsresultate. So zeigen aktuelle Laborstudien, dass bei der Erholung durch Mediennutzung neben dem subjektiven Energielevel auch die objektiv messbare kognitive Leistungsfähigkeit gesteigert wird (Reinecke, Klatt, & Krämer, 2011; Rieger, Reinecke, & Bente, 2015).

In unserer aktuellen Forschung in diesem Bereich gehen wir insbesondere der Frage nach, welche Prozesse der Erholung durch Mediennutzung zugrunde liegen und wie sich unterschiedliche Medien in ihrer Erholungswirkung unterscheiden. Unsere aktuellen Befunde legen dabei den Schluss nahe, dass Medieninhalte mit unterschiedlicher Valenz (emotionaler „Färbung“) in differenzierten Erholungsmustern resultieren: Während positiv gefärbte Medienstimuli in erster Linie Erholung durch Entspannung befördern, wirken negative Stimuli aktivierend und erleichtern so die psychologische Distanzierung von Stress und Belastung (Rieger, Reinecke, & Bente, 2015). Auch unterschiedliche Arten des Unterhaltungserlebens tragen in unterschiedlicher Weise zum Erholungserleben bei. Während klassische hedonische Unterhaltung (z.B. Comedy) Erholung durch Entspannung und Abwechslung fördert, führt eudaimonisches Unterhaltungserleben bei der Rezeption inhaltlich komplexerer Medieninhalte (z.B. Dramen) zu Erholung durch das Erleben von Kompetenz und Bewältigungserfahrungen (Rieger, Reinecke, Frischlich, & Bente, 2014).

Einen detaillierteren Einblick in unsere Forschung zum Thema Mediennutzung und Erholung finden Sie auch in einem aktuellen Beitrag im In-Mind Magazin.

 

Bisherige Publikationen in diesem Bereich:

Reinecke, L. (2009a). Games and Recovery: The use of video and computer games to recuperate from stress and strain. Journal of Media Psychology, 21, 126–142.

Reinecke, L. (2009b). Games at work: The recreational use of computer games during working hours. CyberPsychology & Behavior, 12, 461–465.

Reinecke, L., Klatt, J., & Krämer, N.C. (2011). Entertaining media use and the satisfaction of recovery needs: Recovery outcomes associated with the use of interactive and non-interactive entertaining media. Media Psychology, 14, 192–215.

Rieger, D., Reinecke, L., Frischlich, L., & Bente, G. (2014). Media entertainment and well-being—Linking hedonic and eudaimonic entertainment experience to media-induced recovery and vitality. Journal of Communication, 64(3), 456–478.

Reinecke, L., Rieger, D., & Wulff, T. (2014). Einschalten zum Abschalten? Mediennutzung zur Erholung von Stress und Belastung. In-Mind, 3/2014.

Rieger, D., Reinecke, L., & Bente, G. (2015). Media induced recovery: The effects of positive versus negative media stimuli on recovery experience, cognitive performance, and energetic arousal. Psychology of Popular Media Culture, 6(2), 174–191.