Forschungsprojekt Medienunterhaltung und Resilienz

Forschungsprojekt “Media Entertainment and Psychological Resilience”

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

Die Nutzung von Unterhaltungsmedien ist integraler Bestandteil des Alltags und der täglichen Routinen von Mediennutzerinnen und -nutzern in der ganzen Welt. Für die Mehrzahl der Rezipientinnen und Rezipienten ist Medienunterhaltung dabei weit mehr als profaner Zeitvertreib und eskapistische Ablenkung, sondern erfüllt zentrale psychologische Bedürfnisse. Unterhaltungsmedien vermitteln starke Beziehungen zur Protagonistinnen und Protagonisten, stellen das Leben und das menschliche Dasein in allen ihren komplexen Facetten dar und eröffnen eine schier unendliche Auswahl möglicher Rollenvorbilder, die Orientierung in verschiedensten Lebenslagen bieten. Es überrascht daher wenig, dass die Chancen, die sich aus der Nutzung von Unterhaltungsmedien für die psychologische Gesundheit und das psychologische Wohlbefinden ergeben, in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der medienpsychologischen Forschung gerückt sind. Eine Vielzahl von Studien liefert Hinweise auf positive kurzfristige Effekte der Nutzung von Unterhaltungsmedien auf das psychologische Wohlbefinden, z.B. in Form von Stimmungsmanagement oder Erholung von Stress und Belastung.

Weitgehend unklar ist hingegen, ob Unterhaltungsmedien auch mit zeitlich stabileren, längsschnittlichen Steigerungen der psychologischen Gesundheit assoziiert sein können. Um diese Frage zu adressieren, nimmt das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Leonard Reinecke eine salutogenetische Perspektive auf die Effekte der Zuwendung zu Unterhaltungsmedien ein. Dazu leistet das Projekt eine theoretische Integration aktueller Zwei-Faktor-Theorien des Unterhaltungserlebens mit theoretischen Ansätzen aus der psychologischen Resilienzforschung. Die so gewonnene Theoriesynthese legt nahe, dass die Nutzung von Unterhaltungsmedien sowohl mit Chancen als auch mit Risiken für die Entwicklung und Aufrechterhaltung zentraler Resilienz-Faktoren wie Optimismus und Hoffnung verbunden ist.

Das Arbeitsprogramm verfolgt zwei zentrale Ziele. Zum einen soll ein erweitertes theoretisches Modell zum Zusammenhang von Medienunterhaltung und psychologischer Resilienz entwickelt werden. Zum anderen sollen die wechselseitigen Effekte zwischen Unterhaltungsnutzung, Resilienz und psychologischer Gesundheit in zwei Studien empirisch untersucht werden. Studie 1 testet diese Effekte mittels einer repräsentativen Längsschnittbefragung mit drei Messzeitpunkte im Abstand von sechs Monaten. Studie 2 ergänzt Studie 1 durch eine longitudinale Tagebuchstudie in einer Kohorte von Studierenden im ersten Semester.

In Kombination vermitteln Studie 1 und Studie 2 ein detailliertes Bild des Zusammenspiels von Unterhaltungsnutzung, Resilienz und Wohlbefinden in unterschiedlichen Lebensbereichen und Zeitintervallen. Neben der hohen gesellschaftlichen Relevanz verspricht das Projekt wichtige theoretische Impulse in den Bereichen der Medienwirkungs- und Unterhaltungsforschung und eine Erweiterung unseres Verständnisses der Prozesse und Variablen, welche die Nutzung von Unterhaltungsmedien mit psychologischem Wohlbefinden und psychologischer Gesundheit in Verbindung bringen.

Der geplante Projektstart liegt im ersten Quartal 2021. Mit ersten Befunden und vorläufigen Ergebnissen ist Anfang 2022 zu rechnen.

 

Publikationen mit Projekt-Bezug:

Reinecke, L., & Rieger, D. (in press). Media entertainment as a self-regulatory resource: The recovery and resilience in entertaining media use (R²EM) model. In P. Vorderer & C. Klimmt (Eds.), The Oxford handbook of entertainment theory. Oxford University Press. Preprint abrufbar unter: https://psyarxiv.com/fyg49